Spechteln bei Vollmond

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HelmutS
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Spechteln bei Vollmond

Beitrag von HelmutS » Do 11. Sep 2014, 22:23

Hallo Spechtler,

bei Vollmond spechteln macht eigentlich wenig bis gar keinen Sinn, meint man, aber a bissl was geht immer.
Und was schaut man sich denn da an? Natürlich den Vollmond selbst.

In der Astrozeitschrift interstellarum Nr.96 auf Seite 39 fand ich einen interessanten Beobachtungstipp: Airy Swirl, ist eine längliche Struktur, bestehend aus 2 hellen Bändern, die durch eine dunkle Linie getrennt sind und in der Vollmondzeit zu sehen ist. Ein Bild zeigt dieses Objekt sehr schön.

Am Dienstag, den 9.September 2014 gegen 23h MESZ zeigte mir ein Blick aus dem Fenster, dass der volle Mond ist zu sehen. Im Nu stand mein 6" Dobson auf meiner HAT (Helmuts Astro Terrasse).
Um 23:30h MESZ ging die Suche nach dem besagten Objekt los, aber wie so üblich, ärgerten mich einige Wolkenbänke. Aber man muss nur hartnäckig sein und den Wolken die Stirn bieten, dann geben sie gelegentlich auf und so war es dann auch.

Vom Mare Nubium ausgehend zu der 3er Kraterkette Ptolemaeus, Alphonsus und Arzachel, die bei Vollmond leider nur sehr schwer erkennbar sind, ging es ein Stück nach links (im Dobson) und schon war der sogenannte Airy Swirl schön zu sehen, ein länglicher heller Fleck, geteilt durch eine dunkle, schmale und krumme Linie.

Da die Temperatur mit 14°C noch sehr angenehm war, wollte ich nach diesem Erfolg nicht schon wieder zusammenpacken.

Da gibt es doch laut Der Moonhopper (ein sehr gutes Buch von L. Spix und F. Gasparini), bei Vollmond noch einige Objekte zu bespechteln, wie der Helm und die Speerspitze in der Nähe des Mare Humorum.
Lange musste ich nicht suchen und schon waren die beiden netten Objekte im Blickfeld meines Okulars. Die Speerspitze zeigte sich als ein sehr helles schmales Dreieck, der Helm dagegen war um einiges dunkler, aber in seiner Form gut erkennbar. Sie waren nicht, wie beim Airy Swirl eine Erstsichtung, die beiden Teile hatte ich schon mal gesehen. Eine detaillierte Beschreibung zu den Objekten, findet man im Der Moonhopper auf Seite 198.

Und wenn man schon mal in dieser Gegend ist, kann man noch einige andere beschriebene Objekte aufsuchen, wie zum Beispiel einen halb versunkenen namenlosen Krater am Rande von Rupes Liebing (Seite 197). Dieses Teil erwies sich allerdings für meinen 6"er als sehr schwierig. Ich brauchte fast eine Stunde, den Krater dingfest zu machen, wendete verschieden hohe Vergrößerungen an, wartete auf kurze Augenblicke mit gutem Seeing und musste immer wieder Pausen wegen Wolken in Kauf nehmen, aber schließlich konnte ich den Halbkrater mit v 225 wahrnehmen, der sich nur sehr schwach von seiner Umgebung abhob. Erstsichtung war also gelungen, werde aber bei Gelegenheit mit meinem 14"Dobsen diesen Krater nochmals zu Leibe rücken.

Im Mare Humorum waren noch 2 Kraterketten gut zu sehen, die Kater Doppelmayer L (4x4km), K (4x4km) und J (6x6k) in einer Linie und in der Nähe auch die Krater Puiseux C (3x3km), B (4x4km) und A (3x3km), die auch in einer Reihe stehen, neben A etwas versetzt befindet sich noch ein weiter kleiner Krater ohne Namen, etwa so groß wie A. Alle diese kleinen Krater waren gut sichtbar, weil sie sich hell vom der Umgebung abhoben.

Ebenfalls im Mare Humorum war ein 50km langer Bergrücken mit den Namen Promontorium Kelvin (Kap Kelvin) gut zu sehen auf dem 3 helle weiße Punkte sichtbar waren.

Am Rand des Mare war der Krater Vitello mit einer interessanten Kraterinnenseite zu bewundern. Den hellen Zentralberg umgab eine schneeweiße Rille, in Form eines Halbkreises, die ausgezeichnet gut zu sehen war. Im ersten Augenblick meinte ich, es handelt sich bei Vitello, um einen Doppelkrater.
Dieser sehr interessanter Krater ist seltsamerweise im Der Moonhopper nicht beschrieben.

Natürlich wurden noch einige andere Objekte auf dem Mond beäugelt, wie das Alpental, die Krater Plato, Reiner (schneeweiß) und, und ……

So vergingen 2 Stunden am Teleskop wie im Flug. Wie man sieht, findet man am Himmel immer was zu spechteln, auch wenn der helle Vollmond da oben leuchtet, nur Wolken und Nebel sind dabei nicht so lustig.

Gruß
Helmut
"Wir denken selten an das, was wir haben, aber immer an das, was uns fehlt."
-- Arthur Schopenhauer --

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